Hundehaltung


Seit einst die Treue sich aus der Welt verloren,
Hat sie zum Sitz des Hundes Herz erkoren.

Bevor Sie einen Hund kaufen
Allgemeines
Begegnungen mit Spaziergängern bzw. Nichthundehaltern
Begegnungen mit Joggern, Rollschuhfahrern, Fahrrädern, Mofas, Autos und Reitern
Begegnungen mit Wild
Begegnungen mit Haustieren
Begegnungen mit Hundehaltern
Begegnungen mit Blindenhunden
Versäubern des Hundes
Achtung Gefahr
Ferien
Fazit
Kastration

Bevor Sie einen Hund kaufen

So gut ich es verstehen kann, dass man sich einen Hund wünscht, möchte ich sehr empfehlen sich VORHER gut zu überlegen, ob und was für einen Hund man sich zulegt. Ein Hund ist schnell gekauft, jung und herzig erobert er unser Herz im Nu. Wenn er sich dann über Papa's Lieblings-Ausgehschuhe hermacht, nachts um 3 Uhr pinkeln muss (wenn's sein muss auch auf den Perserteppich), das Auto vollkotzt, mit dem Lieblingspulli des Kleinsten Seilziehen macht, mit seinem Durchfall die Wohnung verziert, mit Mama's BH durch den Garten rennt und seine Blähungen uns das Atmen erschweren, ist er vielleicht nicht mehr ganz so herzig. Ein Hund bringt Veränderung in unser Leben, nichts ist mehr wie vorher. Ein Hund bringt vor allem am Anfang Stress. Aufpassen, dass er nichts kaputt macht, nicht die Katze jagt, dass man ihn rechtzeitig erwischt, wenn er raus muss usw. Die erste Woche ist ein Riesenstress. Je nach Rasse bessert sich dann das. Aber nach wie vor, können wir nicht mehr schnell übers Wochenende irgendwo hin. Wenn wir abends Ausgehen wollen, muss zuerst der Hund versorgt sein. In die Ferien zu gehen, muss auch organisiert sein. Und jeden Tag, bei jedem Wetter, ob man gesund oder krank ist, der Hund braucht seine Bewegung. Ein Hund ist kein Wegwerfartikel, den man wenn man keine Lust und Zeit mehr hat, einfach abschiebt. Der Hund ist ein lebendiges, fühlendes Wesen, das uns braucht. Er schliesst sich ein in unser Herz und wird ein Teil davon. Und wir sind ein Teil von seinem Herzen. Er versteht es nicht, warum er von uns getrennt und in ein Tierheim abgeschoben wird. Er leidet darunter. Haben Sie vielleicht noch den Gedanken den Hund kastrieren zu lassen, kaufen Sie lieber keinen und ersparen ihm das (siehe unter Kastration). Darum überlegen Sie es sich gut, BEVOR SIE EINEN HUND KAUFEN. Haben Sie sich wirklich dazu entschlossen die nächsten 10-15 Jahre mit einem Hund zu verbringen, so wählen Sie ihn nicht nach dem Aussehen aus, sondern ob er sich in Ihr persönliches Umfeld und einigermassen in Ihre Lebensgewohnheiten einleben kann. Erkundigen Sie sich bei mehreren Züchtern der gleichen Rasse, ob so ein Hund für Sie geeignet ist. Zu viele Hunde landen immer wieder im Tierheim, weil sie so schön, aber zu schwierig zu halten sind. Sie sind schlussendlich dafür verantwortlich, dass ihr Hund weder Tier noch Mensch verletzt oder ängstigt, dass kein unerwünschter Nachwuchs produziert wird und dass das Bild des Hundes in der Oeffentlichkeit ein positives ist.

Allgemeines

In einem so dicht besiedelten Umfeld, wie dem unseren, ist es notwendig, mit anderen Menschen auszukommen, will man sich unnötigen Aerger ersparen. Egal, ob sie uns sympathisch sind oder nicht, ob sie die selben Interessen haben oder nicht. Als Hundehalter kommt man, wie alle anderen, zwangsläufig mit diversen Berufs- und Hobbysparten in Konflikt. Nachfolgendes möchte Ihnen helfen, mit Ihren Mitmenschen auszukommen und gleichzeitig den Bedürfnissen Ihres Hundes gerecht zu werden.

Was braucht der Hund um leben zu können? Sicher regelmässig Futter (möglichst keine gewürzten oder gesalzenen Reste) und immer genügend Wasser.

Was braucht der Hund um gesund zu sein? Ein gut isoliertes Plätzchen, artgerechte Ernährung und eine regelmässige Kontrolle der Gesundheit z.B. Fellpflege (was nicht baden bedeutet), sondern bürsten oder kämmen, von Ungeziefer und Dornen oder Kletten befreien usw..

Was braucht der Hund um glücklich zu sein? Der Hund braucht den Menschen. Er empfindet es als absolute Strafe und Demütigung, irgendwie, irgendwo - etwa in einer Garage oder einem Kellerloch - dahinvegetieren zu müssen. Auch der Zwinger darf keine ständige Bleibe sein, weil auch er das Isolationsgefühl nährt und die ursprünglichen Verhaltensmuster des Hundes als Rudeltier durcheinanderbringt. Der Hund ist nunmal von Gesellschaft abhängig und muss in der Isolation zwangsläufig seelisch verkümmern und neurotisch werden. Ein Hund braucht auch eine Aufgabe, sonst sucht er sich eine. Spielen mit dem Hund fördert ein gutes Verhältnis zum Hundehalter.

Zu den wichtigsten Bedürfnissen des Hundes gehört Bewegung. Der Hund als ursprüngliches Laufraubtier braucht pro Tag mindestens 2 Stunden freien Auslauf und das bei jedem Wetter! Einfach in den Garten lassen, genügt nicht! Kleine Hunde brauchen nicht weniger, höchstens sehr temperamentvolle noch mehr. Um dem Hund freien Auslauf gewähren zu können, müssen wir natürlich sicher sein, dass unser Hund keine Gefahr für Menschen, andere Hunde und andere Tiere (wie Wild- und Haustiere) darstellt. Das heisst, wir dürfen den Hund in der Nähe von Häusern, Weiden und Wald nur laufen lassen, wenn er auch zuverlässig auf unser Rufen zurückkommt.

Wie verhält sich nun der verantwortungsbewusste Hundehalter bei Begegnungen verschiedenster Art?

Begegnungen mit Spaziergängern bzw. Nichthundehaltern

Ob eine Dogge oder ein kleiner Dackel, ob uralt oder ein Welpe, wenn jemand Angst vor Hunden hat, hat er vor JEDEM Hund Angst. Auch wenn Ihr Hund nicht beisst, bitte lassen sie ihn nicht auf fremde Menschen losrennen oder sie anspringen. Auch wenn die Leute den Welpen noch so herzig finden, springt er sie erst mal an, ist er dann meistens nicht mehr so herzig. Sofern Ihr Hund Fremde nicht ignoriert, nehmen sie ihn kurz an die Leine.

Begegnungen mit Joggern, Rollschuhfahrern, Fahrrädern, Mofas, Autos und Reitern

Alles was sich bewegt, ist für den Hund interessant und wird je nach Temperament als potentielle Jagdbeute angesehen. Auch wenn Sie wissen, dass er es nur zum Spass macht, für die anderen ist es sehr unangenehm und gefährlich. Vermeiden Sie Unfälle und nehmen sie den Hund an die Leine oder wenn es geht, lenken sie ihn ab.

Begegnungen mit Wild

Auch wenn Sie einen Hund haben, der keine Chance hat, z.B. ein Reh zu reissen, sind vorallem im Winter die Energiereserven des Wildes durch das geringe Nahrungsangebot beschränkt. Während der Tragzeit kann eine wilde Hetzjagd eine Fehlgeburt auslösen, während der Setzzeit ist besondere Vorsicht geboten, um Rehgeiss und Kitz nicht zu gefährden. Abgesehen vom Jagdaufseher, der einem jagendem Hund gefährlich werden kann, ist vorallem der Strassenverkehr zu beachten, denn ein Hund, der hetzt schaut nicht, ob ein Auto kommt. Ein guter Appell ist lebenswichtig für unsere Hunde.

Begegnungen mit Haustieren

Auch wenn es fast normal ist, dass Hunde Katzen jagen, irgendjemand liebt vielleicht genau diese Katze, wie Sie Ihren Hund. Auch Kühe, Schafe oder Hühner unnötig herumhetzen zu lassen, macht nicht viele Freunde. Guter Appell oder Leine sind auch hier die Schlüsselwörter.

Begegnungen mit Hundehaltern

Kommt Ihnen ein Hundehalter entgegen, der seinen Hund frei laufen lässt, können Sie Ihren ebenfalls laufen lassen. Nimmt jener aber seinen an die Leine oder bei Fuss, hat das gewöhnlich seinen Grund. Auch wenn Ihr Hund 'nichts macht', der andere tuts vielleicht. Wenn Sie Ihren Hund laufen lassen möchten, rufen Sie ihn trotzdem zuerst zurück und fragen Sie den anderen Hundehalter. Vielleicht ist dessen Hündin läufig oder er hat einen Raufer usw. Fragen Sie zuerst, dann ersparen Sie sich unnötigen Aerger und eventuell auch Tierarztkosten. Uebrigens wenn Ihr Hund einen Hund verletzt, der an der Leine ist, bezahlen Sie beide Tierarztrechnungen. Beim Kreuzen an der Leine ist es von Vorteil die Hunde aussen, also so weit auseinander wie möglich zu führen, denn an der Leine verhalten sich Hunde wesentlich agressiver als normal. Um dem Hund die Unsicherheit beim Umgang mit anderen Hunden zu nehmen, wobei sich diese sowohl als Agressivität als auch als deutlich sichtbare Aengstlichkeit zeigen kann, sollten Sie ihn so oft wie möglich den freien Kontakt mit anderen Hunden ermöglichen.

Begegnungen mit Blindenhunden

Blindenhunde sind ausgebildet, andere Hunde zu ignorieren. Nehmen Sie Ihren Hund auf jeden Fall sofort an die Leine und laufen Sie einfach, ohne weitere Notiz zu nehmen, an dem Paar vorbei. Tun Sie bitte nichts, was den Hund von seiner Arbeit ablenken könnte.

Versäubern des Hundes

Bei Hündinnen ist das Urinieren in der Regel kein Problem, beim Rüden schon eher. Fremde Gärten, Hausmauern und Autopneus sollten auch vom Rüden nicht markiert werden. Hundekot in den Wiesen ist für unsere Bauern ein grosses Problem. Durch das Mähen wird ein Hundekot über 2-3 m verteilt und so wird ein beträchtlicher Teil des Grases für die Kühe als Futter unbrauchbar. Bitte nehmen Sie den Hundekot vorallem in Futterwiesen und auf vielbegangenen Spazierwegen auf. Oder macht es Ihnen vielleicht Spass, wenn Sie in einen Hundehaufen treten?

Achtung Gefahr

Vergiftungsgefahr besteht, wenn Ihr Hund Wasser aus einer Pfütze neben einem gespritzten Feld trinkt. Lassen Sie Ihn nur von Bächen oder Brunnen trinken. Das Fressen von jungem Weizen, der frisch gespritzt wurde, ist ebenfalls gefährlich. Grundsätzlich sollten Sie Ihren Hund nicht erlauben, irgendetwas draussen aufzunehmen.

Ferien

Planen Sie Ihre Ferien frühzeitig. Wenn Sie den Hund mitnehmen können, lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass Ihr Hund im Hotel oder auf dem Zeltplatz oder in der Ferienwohnung auch willkommen ist. Wenn Sie ihn nicht mitnehmen können, sorgen Sie frühzeitig für einen seriösen Ferienplatz. Gute Tierheime sind oft schon früh ausgebucht.

Fazit

Ein vernünftiger, toleranter Hundehalter und ein gut erzogener Hund sind meist überall gern gesehen und hinterlassen auch bei manch einem, der Hunde nicht so mag, einen positiven Eindruck. Tragen Sie mit Ihrem Verhalten zu einer guten Verständigung vorallem zwischen Hundehaltern und dem Rest der Welt bei.

Kastration

Der Mensch entscheidet nicht nur über Leben und Tod eines Tieres, sondern auch darüber, ob es ein Sexualleben haben darf oder nicht. Die einfachste Lösung, sagen zumindest Tierärzte (sie verdienen auch Geld damit), ist die Kastration. Rüden sind einfacher im Umgang (man erspart sich das Training), Hündinnen leben dank Frühkastration länger, man muss während der Läufigkeit nicht aufpassen und keine 'Tröpfchen' wegputzen.
Geschlechts- und andere Organe produzieren Hormone, die unter anderem für das physische und psychische Wohlbefinden verantwortlich sind. Hormone sind Steuerelemente, die ein Lebewesen braucht. Natürlich leben Hunde auch ohne ihre Geschlechtsorgane, es fragt sich jedoch wie. Rüden werden von ihren vollwertigen Geschlechtsgenossen und auch von Hündinnen nicht mehr als Rüden angesehen, sondern als etwas Aehnliches wie Hündinnen. Hündinnen können übermässig viel Unterwolle bekommen und die Funktionstüchtigkeit des Blasenschliessmuskels, der ebenfalls durch Hormone gesteuert wird, kann nachlassen, was bedeutet, dass die Hündin Urin verliert und ein Leben lang Tabletten nehmen muss. Sexualhormone lassen ein Tier seelisch wachsen und reifen. Wurde ein Tier früh kastriert, bevor es erwachsen ist, kann dieser Prozess nicht mehr stattfinden. In einer englischen Blindenführhundeschule wurde übrigens während zehn Jahren die Frühkastration bei Hündinnen (vor der ersten Läufigkeit) praktiziert. Sie wurde wieder aufgegeben, weil sich ein grosser Teil der Hündinnen nicht für die ihnen zugedachte Arbeit eignete. Wo kein erwachsenes Seelenleben vorhanden ist, ist offensichtlich auch kein zuverlässiges Arbeiten möglich. Ein grosses Argument der Kastrationsfreunde ist natürlich die unkontrollierte Vermehrung von Hunden und deren Endstation im Tierheim. Es gibt jedoch nicht zu viele Hunde, weil zuwenig kastriert sind, sondern weil es zuviele verantwortungslose Hundehalter gibt. Für den Hund ist es nicht grausam, wenn er zwar intakt ist, aber kein Sexualleben haben kann. In Wolfs- oder Dingorudeln und bei Wildhunden paaren sich in der Regel nur die ranghöchsten Tiere und haben Nachwuchs, die anderen Rudelmitglieder können damit leben. Wir haben die Verantwortung für unseren Hund, in jeder Beziehung. Ich, für mich, möchte keinen "halben", abgestumpften Hund, dem nur noch das Fressen Freude macht, ich möchte einen vollwertigen und erwachsenen Hund! Jedes Lebewesen auf dieser Erde strebt danach, sich (seelisch) zu entwickeln, warum sollten wir unserem besten Freund diese Chance nehmen?

Weitere Informationen: Gesundheit und Pflege des Hundes

Anfragen zur Erziehung oder bei Verhaltensproblemen

Leider ist es mir aus zeitlichen Gründen nicht möglich, Beratungen oder Hilfestellungen durchzuführen oder entsprechende Emails zu beantworten. Bitte wenden Sie sich an einen örtlichen Fachmann oder besuchen Sie einen Erziehungskurs in einem Kynologischen Verein. Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis.

Silvia Dierauer

Zurück

Weiter

Zum Anfang

Go on in English

© Copyright 1999 by Silvia Dierauer, CH-Egliswil, alle Rechte vorbehalten.
Last update July 16th,1999.